02.11.2015  |  Bankrecht

von Rechtsanwalt Malte Härtel

VW Abgasskandal - geschädigte Anleger müssen Kursverluste nicht entschädigungslos hinnehmen!

 

Von dem VW-Abgasskandal sind nicht nur Autokäufer betroffen, sondern insbesondere auch Aktionäre, die Aktien an dem Unternehmen halten. Anleger mussten infolge der erst jüngst bekannt gewordenen Manipulationen der Abgaswerte zum Teil ganz erhebliche Kursverluste in Kauf nehmen.

 

Die Aktie sank zwischenzeitlich sogar auf deutlich unter 100,00 €.
Eine Vielzahl von Anlegern hat allerdings die Aktie zu einem deutlich höheren Kurswert erworben – mitunter haben Aktionäre mehr als die Hälfte des eingesetzten Kapitals verloren. Hintergrund dieses erheblichen Kursverlustes ist die erst am 18.09.2015 von der US-Umweltbehörde EPA veröffentlichte Mitteilung, VW habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. Dieser Vorwurf wurde vom VW-Konzern kurze Zeit später eingeräumt. Die unmittelbaren Folgen waren zunächst ein Verkaufsstopp von Vierzylinder Dieselfahrzeugen in den USA, die Herausgabe einer Gewinnwarnung durch den Konzern und die Bildung von Rückstellungen in Milliardenhöhe. Kürzlich hat VW den freiwilligen Rückruf von ca. fünf Millionen betroffener Dieselfahrzeuge erklärt. Der langfristige  finanzielle Schaden für den Konzern ist noch nicht endgültig absehbar.

 

Unter dem Skandal leiden – neben den betroffenen Autokäufern – in erster Linie auch die Anleger: Sowohl Stammaktien als auch Vorzüge mussten deutliche Kursverluste hinnehmen. Doch Anleger können sich zur Wehr setzen. Offensichtlich war VW die Manipulation der Abgaswerte bereits seit dem Jahre 2009 bekannt. Das Unternehmen hat daher gegen die ihr nach dem Wertpapierhandelsgesetz obliegende Verpflichtung verstoßen, diese Insiderinformation zu veröffentlichen (§ 15 WpHG). Auf Grundlage des WpHG stehen solchen Aktionären Schadensersatzansprüche zu, die seit dem Jahre 2009 VW-Aktien erworben haben. Möglicherweise besteht sogar nicht nur ein Anspruch auf Ersatz des Kursdifferenzschadens, sondern auch auf Rückabwicklung des Kaufes.


Ansprüche können gerichtlich gegen den Konzern im Wege des so genannten Musterverfahrens nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz durchgesetzt werden, soweit sich genügend Antragsteller an dem Verfahren beteiligen. Derzeit ist noch nicht klar, ob es zu einem Musterverfahren kommen wird. Es erscheint allerdings wahrscheinlich. Betroffene Aktionäre sollten daher nicht zögern, anwaltliche Hilfe zur Überprüfung von Schadensersatzansprüchen in Anspruch zu nehmen, denn es gilt: Wer nichts unternimmt, hat bereits verloren!