07.07.2016  |  Erbrecht

von Rechtsanwalt Frank Nichterlein

Gedanken über ein Testament


Der Tod ist das Ende. Möglichst erst sehr spät und im Schlaf. Aber das ist eine Wunschvorstellung. Die Realität ist gelegentlich anders. Warum dies? Weil es vielleicht Anlass gibt, über die Frage nachzudenken, was nach unserem Tod mit unserer „Habe“ und den Schulden wird.

Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt diese Fragen. Aber: passen diese Regelungen zu unseren Lebensumständen, den familiären Verhältnissen und unseren persönlichen Wünschen? Darauf nehmen nämlich die gesetzlichen Vorschriften zum Erbrecht keine Rücksicht.

Wir können aber Einfluss nehmen und individuell passende Lösungen finden, die wir in einem Testament festhalten.

Stimmt die gesetzliche Erbfolge mit unserer Interessenlage überein? Wir haben es in der Hand, sie beliebig zu ändern, wobei das gesetzliche Pflichtteilsrecht Schranken setzt.

Die Regelungen des Gesetzes passen z. B. nicht in der Patchwork-Familie. Hier ist eine sorgfältige Überlegung zu den im Erbfall häufig unterschiedlichen Interessen erforderlich.

Familien, in denen es Personen mit Behinderungen gibt, wird diese Frage bewegen, wie das Erbe dem Behinderten helfen kann, ohne dass Leistungen der sozialen Fürsorge gefährdet werden.

Ist es zweckmäßig, dass Eheleute oder die Partner einer Lebensgemeinschaft gemeinsam Regelungen treffen, die den Überlebenden binden oder soll er nach dem Tod des Erstversterbenden frei sein, neu zu testieren.

Wollen wir unseren Erben die Diskussion über die Einzelheiten der Auseinandersetzung überlassen? Wir können Anordnungen über die Verteilung machen, einzelnen Begünstigten nur bestimmte Werte zuwenden oder gar, wenn Auseinandersetzungen vorhersehbar sind oder die Begünstigten untereinander Grund sind, Testamentsvollstreckung anordnen. Diese und andere Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung, wenn wir bereit sind, „über die Zeit danach“ nachzudenken, um zu erreichen, was wir für richtig halten.

Ein Testament können wir wirksam privatschriftlich errichten. Das Problem dabei: Kennen wir die Gestaltungsmöglichkeiten, die wir haben? Können wir die zu regelnden Interessen klar erkennen oder ist es wirklich zweckmäßig, darüber mit Experten zu reden?

Wir können uns auch kompetenten Rat holen und ein notarielles Testament beurkunden lassen. Das kostet zwar Geld, erspart aber später den - gleich teuren - Erbschein.

Nur die - verständliche - Verdrängung unseres eigenen Endes ist ein Hindernis, vernünftige Lösungen zu finden.